Le Maschere di Venezia – Einblicke

Hier ein Beispiel für ein kleines schnelles Mobile Reporting Stück von mir:

Le maschere di carnevale 🎭 – Venedig ist für seine Karnevalsmasken berühmt. In der Lagune gibt es sie an jeder Ecke zu kaufen. Nicht alle sind dabei aber echte Handwerksstücke, so wie die von Massimo Boldrin von der Bottega dei Mascareri. Seit 1984 stellt er zusammen mit seinem Bruder Sergio Masken her, die unter anderem aus der berühmten Commedia dell’Arte stammen. Gestern habe ich in der T Fondaco dei Tedeschi by DFS an einem Workshop teilgenommen und meine eigene Maske entworfen. Was die Masken für Venedig bedeuten erklärt Massimo im Video. (Auf Italienisch)

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Kommunikation zwischen Filterblase und Informiertheit – Wie verändert die digitale Kommunikation unsere Gesellschaft?

Als Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung war ich mal wieder auf einem Seminar und habe es journalistisch begleitet. Hier das Ergebnis:

Wenn ihr morgens aufwacht, wem gilt da die erste Aufmerksamkeit des Tages? – Ja, oftmals gilt sie dem Handy, das einen gerade aus dem Schlaf gerissen hat. Und wo man das Smartphone sowieso schon man in der Hand hat, warum sollte man nicht schnell auf Twitter, Facebook oder Instagram checken, was die letzten 8 Stunden passiert ist? Am Frühstückstisch, im Bus auf dem Weg zur Uni oder während des Seminars: allzu oft greift man einfach zum Smartphone, weil man gelangweilt ist oder vielleicht auch einfach die Angst hat etwas zu verpassen.

Doch während unsere Großeltern in unserem Alter dann einfach die Zeitung aufgeschlagen haben, versinken wir nicht selten in den Tiefen des World Wide Web. Ob das positiv ist oder nicht, ist eine Frage die nicht einfach zu beantworten ist. Fest steht aber, dass Smartphones die Kommunikation verändert hat. Aber wie genau? Dieser Frage sind im März einige Stipendiatinnen und Stipendiaten in der Bundeshauptstadt auf den Grund gegangen. Auf Initiative von einer Stipendiatengruppe aus Freiburg standen dabei Besuche bei Politik, Think Tanks und Medien auf dem Programmplan. Unter dem Seminartitel „WhatsApp, Twitter, Snapchat und Co. – Wie verändert digitale Kommunikation unsere Gesellschaft?“ haben sich 24 Stipendiaten mit der digitalen Kommunikation und ihren Herausforderungen beschäftigt.

Filterblase und Echokammer

Den Anfang der Suche nach der Beantwortung der Seminarfrage machten wir in der Konrad-Adenauer-Stiftung. Mit Tobias Wangermann, Leiter Team Digitalisierung, blickten wir dabei auf die politische Kommunikation im digitalen Raum. Dabei stellte er uns die Vor- und Nachteile der sozialen Medien im Bereich Politik und Beratung dar, die auch zu einer neuen Teilöffentlichkeit geworden sind. Auch wenn für uns das Smartphone schon zum täglichen Begleiter geworden ist, ist es für viele Teile der Gesellschaft noch etwas Fremdes. Wir befinden uns deshalb auch noch in einem Gewöhnungsprozess. Was früher der Stammtisch war, ist heute die Kommentarleiste von Facebook. Und so seien auch die klassischen Medien von dem getrieben, was die sozialen Medien generieren, so Wangermann. Diese Ansicht konnten wir beim Redaktionsbesuch bei WELT gleich mal auf die Probe stellen. Unter anderem erläuterte uns dabei Welt-Redakteurin Katja Mitic, dass sie als Tageszeitung die sozialen Medien auch als Chance begreifen. Facebook sei zwar oftmals auch Ort von Shit-Storms, aber es biete auch die große Möglichkeit Inhalte seiner Leser mit in die Berichterstattung aufzunehmen. Was will er lesen und wie will er es lesen? Gerade die WELT hat, so Mitic, eine aktive Leserschaft auf Facebook. In den Kommentaren können auch die Journalisten Inspiration finden. Die Aufgabe von Journalisten ist damit auch eine Art Mittlerfunktion, da sie in den sozialen Medien Meinungen herausfiltern können, die auch für Politik von Bedeutung sind. Dass echte Kritik und blanker Hass dabei aber sehr nah liegen können, berichteten bei einem Kamingespräch die beiden Journalisten Sebastian Christ und Marc Etzold. Anfeindungen aufgrund seiner Berichterstattung hat dabei vor allem Sebastian Christ erlebt, der mit seinen persönlichen Geschichten zu Shitstorm auf Journalisten auch umrissen hat, welche Formen der Hass im Netz haben kann. Dennoch auch die beiden Journalisten begreifen, die veränderte Kommunikation als Chance, da man schnell an Informationen gelangt. Die Schnelllebigkeit der sozialen Medien kann aber auch im Beruf unter Druck setzen. Marc Etzold hatte deshalb die Fastenzeit genutzt, um auf soziale Netzwerke zu verzichten. Auch diese beiden Meinungen zeigen, dass die digitale Kommunikation mittlerweile schon so stark in unserem Leben involviert ist, wie das Stück Kuchen zum Mittagskaffee (auf das man dann in der Fastenzeit gerne mal verzichtet).

 

 
Im Video zum Seminar hört hier die Meinungen unserer Gesprächspartner zur Seminarfrage.

Game Changer Soziale Medien? 

Die digitale Kommunikation nimmt gerade in Politik und bei Parteien eine ganz besondere Stellung ein. War es vor einigen Jahren noch die direkte Kommunikation das Mittel, um den Bürger/ den Wähler zu erreichen, sind mittlerweile die sozialen Medien eine wichtige Komponente in der Kommunikation zwischen Bürger und Politik/Parteien geworden. Dies haben uns im Gespräch auch Dr. Stefan Hennewig (CDU), Ronja Kemmer MdB und Patricia Romanowsky (CDU/CSU-Bundestagsfraktion) bestätigt. Für die CDU, so berichtete der CDU-Wahlkampfleiter Dr. Hennewig, haben die sozialen Netzwerke mehrere wichtige Ansatzpunkte. Einerseits sind sie zum führenden Informations-Medium geworden. Rund 75 Prozent der Zeitungsartikel werden mittlerweile online gelesen. Die meisten Artikel werden dabei über die sozialen Netzwerke verbreitet und somit auch für den User vorselektiert. Dies kann zu einer Filterblase führen, in die man von außen nur schwer gelangen kann. Gerade hier besteht die Gefahr, dass Fake News ihren Weg zum Wähler finden, so Hennewig. Und so hat sich auch die digitale Kommunikation in Wahlkampfzeiten verändert, da die Partei nun verstärkt auch falsche Meinungen und Behauptungen entkräften müssen. Nicht zu selten verbreiten sich falsche Informationen rasant. Ganz nach dem „Streisand-Effekt“: Wenn einmal drüber gesprochen wird, ist es schwer eine Information wieder „einzufangen“. Dann kann mitunter auch Krisenmanagement in der digitalen Kommunikation gefragt sein. Wie die Politik dabei am besten reagieren kann, erläuterte uns Patricia Romanowsky von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Das Wichtigste dabei ist, dass man sich als Fraktion vergegenwärtigt, dass sich Online Krisen langsam aufbauen und dabei oftmals auch anders aussehen. Die sozialen Medien und dabei vor allem Twitter dienen deshalb nicht selten auch als „Frühwarnsystem“. Hier könne man bereits abends identifizieren, welche Themen die Parteien am nächsten Tag beschäftigen werden. Das bedeutet aber auch, dass sich der Druck auf die Parteien und Fraktionen erhöht hat schnell zu reagieren, erläuterte dabei Romanowsky. Hinzu kommt, dass es mittlerweile auch Gruppen gibt, die aktiv negativen Traffic auf den Seiten der CDU/CSU-Fraktion erzeugen und sich in sogenannten „War rooms“ (Re conquista Germanica als AfD-Unterstützer) vernetzen und eine aktive Facebook- und Twitter-Community bilden. Die Hauptaufgabe im Managen von Communities ist es deshalb auch Shit-Storms von echter und angemessener Kritik zu trennen. Für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion gilt dabei das Motto „Weich zu den Menschen. Klar in der Sache!“. Dass sich Parteien und Fraktionen aktiv im Internet darstellen, ist also mittlerweile zur Notwendigkeit geworden. Die Kommunikation ist dabei schneller, aber oft auch rascher geworden. Aber kann man sich als Teil der Politik überhaupt noch aus dieser digitalen Kommunikation entziehen? Nein, sagt die Bundestagsabgeordnete Ronja Kemmer (CDU). Sie sagt, dass Politiker darauf angewiesen sind, Inhalte digital zu transportieren, um alle Gruppen zur erreichen. Wer auf digitale Kommunikation verzichte sei nicht mehr zeitgemäß. Nicht verwunderlich ist deshalb, dass Kemmer ihren Besuch im Seminar dann auch in ihrer Insta-Story platzierte.

Digitale Kommunikation: Chance oder Gefahr für die Demokratie?

Wie verändert digitale Kommunikation unsere Gesellschaft? – Das war die leitende Frage unseres Seminars. Im Austausch mit Parteien, Politikern und Medien haben wir viel über den unterschiedlichen Einsatz der digitalen Kommunikation kennengelernt. Wie die digitale Kommunikation aber wirklich unsere Gesellschaft verändert, darauf haben wir nicht ganz eine Antwort gefunden. Wahrscheinlich gibt es darauf auch keine umfassende und allgültige Antwort. Jeder der Teil der Gesellschaft ist, muss seinen eigenen Umgang finden, die digitale Kommunikation in sein Leben zu integrieren ohne dabei in der „richtigen“ Welt verloren zu gehen. Es gibt die Risiken sich in der Online-Welt zu verlieren, doch schlussendlich ist die digitale Kommunikation bereits fester Bestandteil unseres täglichen Lebens. Gerade deshalb sollte man also einen Umgang lernen, von dem unsere Gesellschaft profitieren kann. Wie auch die Projekte der Open Knowledge Foundation Deutschland zeigen. Michael Peters von der Open Knowldege Fondation, erläuterte uns dabei die Chancen digitaler Kommunikation für die Demokratie. Durch fragdenstaat.de oder offenerhaushalt.de will die Organisation transparentes Regierungs- und Verwaltungshandeln fördern. Durch die Abrufbarkeit von Regierungsentscheidungen, so Peters, wird eine neue Öffentlichkeit hergestellt, die auch die Bürger wieder näher an die Politik bringen könnte.

Fazit: Lernen, das Handy auch mal auszuschalten

Bei allen Chancen und Risiken ist am Ende des Seminars allen Teilnehmern eins bewusst geworden: Digitale Kommunikation ist wichtig, doch es schadet auch nicht, dass Handy mal wegzulegen und Kommunikation ohne Smartphone zu betreiben. Und dazu war während des Seminars auch immer genügend Zeit.

Da es sich bei dem Seminar um ein Initiativseminar handelt sei an dieser Stelle auch nochmal ganz herzlich Sophie Brandt und Nicole Schneider, sowie dem restlichem Orga-Team aus Freiburg gedankt für die super Durchführung des Seminars.

Südtirol: Zwischen Europa und Disagio

Immer wieder bin ich auch auf Seminaren. Im folgenden lest ihr einen Seminarbericht eines Seminars, das ich mit der Konrad-Adenauer-Stiftung in Südtirol verbringen durfte.

–  Seminarbericht Kompaktseminar in Südtirol „Miteinander in Europa: Politische Autonomie und Minderheiten in Südtirol“ – 16. September bis 22. September 2017-

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Südtirol oder auch auf Italienisch Alto Adige: Die erste Assoziation, die die meisten bei dieser Region haben, ist wahrscheinlich eher kulinarischer Natur. Da sind die knackigen Äpfel, die in die ganze Welt exportiert werden, der Südtiroler Speck und um beim Törggelen zubleiben, die Weinvielfalt der Region im Norden Italiens. Da sind Persönlichkeiten, wie Reinhold Messner, Markus Lanz oder die Kastelruther Spatzen. Aber auch das große politische Thema Autonomie schwingt bei dem Gedanken an Südtirol ebenso immer mit. Kaum eine andere italienische Region fühlt sich zudem so sehr dem europäischen Gedanken verpflichtet wie Südtirol. Auch wenn die Region mit ihren 116 Gemeinden in vielen Bereichen eher ländlich, ruhig und friedlich wirkt, offenbart Südtirol eine ganze Reihe an Themen auf die jeder Südtirol-Besucher einmal näher schauen sollte.

Autonomie und Mehrsprachigkeit – Geschichte und Jetzt:

Die wichtigsten Facts zu Südtirol finden sich in der Karte – Einfach Punkte anklicken:

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Das Südtirol vielfältige Themen zu bieten hat, das konnten 29 Stipendiatinnen und Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung während des Kompaktseminar „Miteinander in Europa: Politische Autonomie und Minderheiten in Südtirol“ erfahren. Unter der Leitung von Dr. Frank Müller standen während der Seminarwoche auf mehr als 2000 Metern nicht nur eine unbekannte Sprache auf dem Programm, sondern auch die Möglichkeit mit dem Bozener Quarzporphor auf Tuchfühlung zu gehen. An dieser Stelle sei charmant schon mal an den einzigartigen Vertrauensdozent Dr. Hans-Joachim Fuchs verwiesen, der auch das trockenste Gestein den Seminarteilnehmern näher brachte. So haben Dr. Hans-Joachim Fuchs, Dr. Rainer Täubrich, Michael Gentsch, Prof. Dr. Christina Sichtmann und nicht zuletzt Dr. Müller, durch das von ihm gestaltete Programm, den Stipendiaten Südtirol in seiner Fülle näher gebracht.

Mit diesem Seminarbericht lassen wir Euch gerne daran teilhaben, was uns Stipendiaten in einer Woche Südtirol begegnet ist und was wir als Teilnehmer des Seminars gelernt haben.

Südtirol als Teil Europas – in Italien

Vorzeige-Autonomie in Europa, Europa der Regionen und Südtiroler Volkspartei – das sind wohl die wichtigsten Schlagworte, wenn über die Politik in Südtirol gesprochen wird. Einen Einblick in die Politik der Region gaben uns Seminarteilnehmern gleich zwei führende Politiker Südtirols. Zuerst sprach Professor Dr. Francesco Palermo, Senator in Rom für die Region Südtirol, mit uns über die Beziehungen zwischen Regions- und Hauptstadtpolitik. Besondere Themen waren dabei der Minderheitenschutz und die Zukunft der repräsentativen Demokratie mit Bezug auf die Südtiroler Autonomie. Denn auch wenn Südtirol für die meisten Urlauber ein Stück deutsches Italien ist, ist bis heute ein Konflikt zwischen den verschiedensprachigen Gruppen im Land allgegenwärtig. Oftmals leben die italienisch- und die deutschsprachigen Südtiroler nicht miteinander, sondern vielmehr nebeneinander her. Und dies bereits von klein auf: Südtirol ist zwar eine zweisprachige beziehungsweise dreisprachige Region, doch mehrsprachige Schulen gehören nicht zur Tagesordnung. Die jeweils andere Sprache wird vielmehr als eine Fremdsprache unterrichtet. Francesco Palermo sieht vor allem in diesem Schulsystem „nicht überwindbare Grenzen zwischen den Sprachgruppen“ – Ziel müsse daher sein, das Zusammenleben und vor allem die Kommunikation zwischen den Sprachgruppen zu fördern.

DSC_0013 - KopieSenator Prof. Dr. Francesco Palermo

In den Diskussionen über die Autonomie wird immer mal wieder auch ein Blick auf die Idee der Vollautonomie geworfen. Wirklich wünschenswert ist die aber eigentlich nicht: Vollautonomie, bedeutet in vielen Konzepten, ein Ausbau nach außen. Dabei ist der Ausbau nach innen ebenso wichtig. Senator Palermo hat Skepsis gegenüber denjenigen gezeigt, die den Begriff der Vollautonomie (eher) nach außen wenden wollen. Allerdings umfasst er nach innen auch noch weitere Dimensionen, die Palermo durchaus unterstützt. So die Übernahme weiterer Kompetenzen in die primäre Zuständigkeit des Landes, insbesondere aber auch der Ausbau der Finanzautonomie.. Schulen, Sprache und das Zusammenleben der verschiedenen Gruppen muss hier das Thema. Gerade die schrittweise Entwicklung der Autonomie hat die Region in wenigen Jahren zu einer der reichsten Regionen Europas gemacht. Die wirtschaftliche Lage ist Dreh- und Angelpunkt der Autonomie.

Als zweiter politischer Gesprächspartner stand Arno Kompatscher, Landeshauptmann der Region Südtirol, Rede und Antwort. Als einer der Verfechter des Konzepts „Europa der Regionen“ stellte der SVP-Politiker Südtirols Rolle in Europa vor. Er sieht die europäische Frage als eine Perspektive für die Zukunft der Region. Wenn sich die Südtiroler an Europa orientieren, wäre auch der Konflikt mit Italien, den es durchaus in der Region gibt, obsolet. Eine besonders angeregte Diskussion gab es bei diesem Programmpunkt deshalb auch zum Thema Beziehung zwischen Italien und Südtirol. Diplomatisch beantwortete Kompatscher auch unsere kritischen Fragen, immer auch mit einem gewissen Stolz, den besonders die deutschsprachigen Südtiroler an den Tag legen. Aber auch der Konflikt zwischen den Sprachgruppen wurde beim Gespräch im Palais Widmann in Herzen Bozens angesprochen. Ersichtlich wurde dabei, dass Mehrsprachigkeit vor allem bei den Eliten beziehungsweise dem Bildungsbürgertum funktioniert. Dabei gehe es in erster Linie um die Einstellung zum Gesamtsystem, bekräftigt hier der Landeshauptmann. Seine ideale Vorstellung liegt darin, dass nicht die Sprache die Persönlichkeit ausmacht, sondern die Identifikation mit der Region. In erster Linie sollte jeder Südtiroler sein.

 DSC_0065 - KopieDie Gruppe im Gespräch mit dem Landeshauptmann Arno Kompatscher (rechts).

Mit rund 62 Prozent überwiegen aber die deutschsprachigen Südtiroler und dies führt zu Unbehagen. Dieses Gefühl der Italiener in Südtirol ist mit der italienischen Bezeichnung für Unbehagen, „Disagio“, in der Region schon zu einer Art geflügeltem Wort geworden. Es bezeichnet eine Art Bedeutungslosigkeit der italienischen Sprachgruppe in Südtirol. Wurde die Italianisierung der Region besonders stark im faschistischen Regime unter Mussolini vorangetrieben, sind die zweisprachigen Städte- und Flurnamen heute einige der wenigen Überbleibsel von der einstigen Stärke des Italienischen. Überbleibsel von Ettore Tolomei, einem Verfechter der Brennergrenze und Namensgeber der italienischen Bezeichnungen von Ortschaften in Südtirol. Um diesen Disagio von heute zu erfassen und die Entwicklung des Konfliktes zu verstehen, stand daher auch ein Besuch der Dokumentationsausstellung „BZ 18-45 – ein Denkmal, eine Stadt, zwei Diktaturen“ im Siegesdenkmal in Bozen auf dem Seminarplan. Gerade das Siegesdenkmal, das sich durch eine typische italienische beziehungsweise vielmehr noch faschistische Architektur auszeichnet, markiert in Bozen eine tiefgreifende städtebauliche Umgestaltung und damit auch eine Italienisierung der Stadt. Da diese Umgestaltung auch heute durchaus noch als eine Art Überfall auf die Tiroler Kultur verstanden wird, erklärt sich, warum sich viele Südtiroler eher zu Österreich als zu  Italien hingezogen fühlen.

In der Diskussion um Deutsch und Italienisch wird oftmals die dritte Sprachgruppe in Südtirol vergessen: die Ladinische Sprachgruppe, mit der die Gruppe auch auf Tuchfüllung gegangen ist. In Wolkenstein wurden wir von Dr. Leander Moroder, dem Direktor des ladinischen Kulturinstituts „Micura‘ de Rü“; empfangen. Das Institut gibt es seit 1976 und kümmert sich um den Schutz der Sprache. Neben Wörterbüchern pflegt das Institut die Sprache auch durch Internetangebote wie Übersetzungsportalen oder Musikangeboten. Wie die Sprache klingt? Das verrät das Video zum Seminar oder die Seite des Instituts. Was bei den italienischen und deutschen Sprachgruppen noch nicht so funktioniert, klappt bei den Ladinern ganz gut: Das Schulsystem in den ladinischen Sprachgebieten ist paritätisch. Unterrichtet wird auf Ladinisch, Deutsch und Italienisch. Hinzu kommen noch Fremdsprachen wie Englisch – gelebte Mehrsprachigkeit.

dsc_0493.jpgDr. Leander Moroder – Direktor des ladinischen Kulturinstituts

 

Mein Land Tirol – Musikalische Tuchfüllung mit Andreas Hofer

Wer auf ein KAS-Seminar fährt, der sollte auf jeden Fall seine Stimmbänder ölen, vor allem dann, wenn als Referent Dr. Rainer Täubrich auf dem Seminarplan steht. Auch dazu gibt es im Video einen kleinen Einblick.

Wer sich den geschichtlichen Konflikt Tirols angeschaut, der stößt recht schnell auf den Namen Andreas Hofer. Der Freiheitskämpfer ist in Tirol bis heute ein Nationalheld. Er nahm 1809 am Widerstand gegen die Franzosen und Bayern teil. Damals stand Tirol unter bayrischer Herrschaft, nachdem Österreich im dritten Koalitionskrieg eine Niederlage gegen das napoleonische Frankreich hinnehmen musste, das mit Bayern verbündet war. Im Widerstand gegen die bayrischen Truppen wurde Hofer im heutigen Südtirol festgenommen und nach Mantua gebracht und dort zur Hinrichtung verurteilt. Die Geschichte rund um den Freiheitskampf von Andreas Hofer erzählte Dr. Rainer Täubrich während des Ausfluges nach Meran eindrucksreich. Nicht ohne auch musikalisch den Freiheitskämpfer und seinen Kampf gegen die Fremdherrschaft vorzustellen. Nach einem Fußmarsch zum Schloss Tirol und der Besichtigung eben dieses, nahm es sich Dr. Rainer Täubrich deshalb auch nicht die Notenblätter auszuteilen. Mit der Aussicht auf Meran, wurde dann im Schatten des Schloss Tirols das Andreas Hofer Lied angestimmt.

Südtirols Landschaft ist neben den Bergen auch von den Burgen und Schlössern geprägt. So blieb das Schloss Tirol nicht das einzige Gemäuer, das wir während des Seminars besuchten.

Auch auf Schloss Sigmundskron bei Bozen erwartete uns ein bekannter Name. Das Schloss gehört nämlich einem der bekanntesten Südtiroler der heutigen Zeit: Reinhold Messner. Als eins von sechs Museum gehört Schloss Sigmundskron zu den Messner Mountain Museen. Im Mittelpunkt der Ausstellung in Sigmundskron steht das Thema „Mensch-Berg“. Neben der Besichtigung der Dauerausstellung hatten wir als Stipendiaten auch die Möglichkeit, die „Hausherrin“ kennenzulernen. Die Tochter der Bergsteigerlegende, Magdalena Maria Messner, ist Direktorin der Messner Mountain Museen und sprach mit uns über ihre Aufgaben im Museum, ihren berühmten Vater und über Heimat. Und auch beim Gespräch mit Magdalena Maria Messner wurde deutlich, dass sich die deutschsprachigen Südtiroler in erster Linie als Südtiroler, dann als Europäer und erst an dritter Stelle als Italiener fühlen. Für Messner ist deshalb Heimat auch ein schwieriger Begriff: Heimat hat, aufgrund der Südtiroler Geschichte, auch immer einen negativen Beigeschmack. Sie spricht lieber von Zuhause und dieses Zuhause liegt für sie in Südtirol und auf den Bergen. Dort schätzt sie am meisten den Weitblick.

DSC_0147 - KopieMagdalena Maria Messner – Direktorin Messner Mountain Museum

Südtirol – Marke mit Charme

Gerade bei Deutschen ist Südtirol ein beliebtes Urlaubsziel. Italienisches Flair mischt sich hier mit österreichischer Tugend. Südtirol ist längst zur Marke geworden, die auch vermarket werden will. Zusammen mit Vertrauensdozentin Prof. Dr. Christina Sichtmann, Professorin für Internationales Marketing an der Uni Wien, hat die Gruppe deshalb eigene Konzepte entwickelt, wie die Marke Südtirol auf dem Reisemarkt noch besser positioniert werden könnte.

Wir Stipendiaten wurden also zur Marketingabteilung und haben, mit Schere, Kleber und einem Packen Zeitungen ausgestattet, Marketingplakate zu unterschiedlichen Themen wie Wandern, Radfahren oder Wellness entwickelt. Für die Präsentation der Ergebnisse wurden dann Kreativität, Teamwork und auch schauspielerisches Talent benötigt. Manche Performance war da auch schon fast Oscar-verdächtig. Da auf einem Seminar aber auch der Spaß nicht zu kurz kommen sollte, waren die Abende neben der Weinvielfalt auch den traditionellen Tänzen der Region gewidmet. Mit der Unterstützung der Oberbozener Trachtengruppe wurde das, was die meisten Seminarteilnehmer einmal in der Tanzschule gelernt haben, nochmal auf ein ganz neues Niveau gebracht. Und wurde beim Erstellen der Marketingplakaten noch bildhaft von den Traditionen der Region gesprochen, so wurden diese bei den Tanzabenden gleich mal gelebt.

Bozener Quarzporphyr –  Mit Hammer und Meißel in die Natur

Was haben ein Meißel, ein Verbandskasten und ein Rolle Toilettenpapier gemeinsam? Auf den ersten Blick natürlich nichts – auf den zweiten Blick sei erklärt, dass man alle drei Dinge braucht oder gebrauchen könnte, wenn man sich in Südtirol auf Wanderschaft begibt. Wer den Bozener Quarzporphyr von seiner schönsten Seite kennenlernen möchte, der sollte auf eine solche Wanderschaft Prof. Dr. Hans-Joachim Fuchs mitnehmen. Großes Glück also, dass Herr Dr. Müller den Mainzer Professor des Geographischen Instituts für uns gewinnen konnte. Neben den Rittner Erdpyramiden, die Herr Dr. Fuchs, wie er uns beteuerte, auch vorgetanzt hätte, stellte er uns während der landeskundlichen Wanderschaft zwischen Südtirol und dem Trentino Besonderheiten der Dolomiten vor. Geschiebe, Grundmöranen und Trogschultern waren dabei nur einige der geografischen Seiten Südtirols, die Dr. Fuchs uns näher brachte.

Zum Abschluss des Seminares auf der Saltner Schwaige in Saltria wurde es dann doch noch einmal kulinarisch. Denn Südtirol bietet zwar viel mehr als nur gutes Essen, aber dennoch sollte es bei einem Besuch auf gar keinen Fall fehlen.

Wie das Seminar aussah, was uns unsre Gesprächspartner über Südtirol erzählt haben und  wie das Seminar für uns Seminarteilnehmer war, seht ihr im Video:

 

 

 

 

 

 

 

500 Jahre Reformation: Warum Konfession und Politik auch nach fünf Jahrhunderten noch eng miteinander verbunden sind?

  • Seminar-Bericht zum Aufbauseminar „Politik und Protestantismus“ im Rahmen der Summer School 2017 in Wittenberg-  Von Johanna Gremme und Vanessa Verena Wahlig

Wittenberg 1517: Die kleine, spätmittelalterliche Stadt ist voll von Pilgern, Händlern und Geistlichen. Pilger, die Ablassbriefe kaufen, um ihre Zeit im Fegefeuer zu verkürzen. Diese Geschäftsidee der Kirche boomt, so kann Rom sich den Bau der riesigen Kathedrale leisten. Inmitten der kleinen Stadt empört sich ein Mönch über die Missstände der katholischen Kirche: Er will die Kirche reformieren. Dass er mit seiner Reformidee epochenmachende Wirkung haben würde, konnte Martin Luther damals nicht ahnen.

 

Lutherstadt Wittenberg 2017: 500 Jahre später ist Martin Luther nicht nur in seiner Wirkungsstätte namentlich allgegenwärtig, sondern wird im Zuge des Reformationsjubiläums auch in ganz Europa wieder in den Fokus genommen. Für die Kleinstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt, die etwa 100 km von Berlin entfernt ist, ein großer Gewinn. Nicht nur zahlreiche Touristen aus der ganzen Welt besuchen seit Beginn der Dauerausstellung die 47.000 Einwohner-Stadt, sondern auch zahlreiche Studenten kommen hierher, um auf den Spuren des Reformators Martin Luther zu wandeln. Auch Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung machten sich aus ganz Deutschland auf den Weg, um im Rahmen der „Luther-Feierlichkeiten“ im August am Aufbauseminar „Politik und Protestantismus“ unter der Leitung von Dr. Rainer Täubrich, teilzunehmen. Das „Wittenberg nicht nur im 16. Jahrhundert am Rande der Zivilisation“ lag, bemerkte dabei nicht nur Seminarleiter Dr. Rainer Täubrich recht schnell.

Seminarwoche: Identitätsfrage und Gemeinsamkeiten

Insgesamt haben 31 Stipendiaten am Aufbauseminar teilgenommen. Diese außergewöhnlich hohe Zahl beweist: Das Interesse an Luther ist enorm stark. Wie facettenreich Luthers Erbe auch noch heute ist, haben die Stipendiaten innerhalb der Seminarwoche, die im Rahmen der Summerschool aller Förderwerke stattfand, erleben können.

„Luther war ein Gottsuchender“, so wird ihn Margot Käßmann in ihrer Wittenberger Kanzelrede am Ende der Seminarwoche beschreiben. Auch die Stipendiaten sind „Gottsuchende“ – daher stand während des ganzen Seminars die Auseinandersetzung mit der eigenen Konfession, mit dem eigenen Glauben immer im Vordergrund.

Eine Vielzahl der Stipendiaten sind Theologie-Studenten mit Berufsziel: Pfarrer oder Priester. Andere Stipendiaten wiederrum beschäftigten sich nicht täglich mit ihrer Konfession. Welchen Stellenwert die Konfession dennoch für die Stipendiaten hat, erzählen einige im Video:

Zeitreise: Mit Luther durch die Geschichte

Den Anfang der Woche hat Altstipendiat Dr. Valentin Wendebourg, zurzeit Sondervikar in der EKD-Vertretung in Brüssel, mit einer historischen Reise vom Vorabend der Reformation bis hin zum ersten Weltkrieg gemacht. Neben den historischen Fakten haben die Stipendiaten dabei auch viel über die aktuellen Herausforderungen der Koexistenz der katholischen und evangelischen Konfession gelernt. Direkt vor Ort in den Wittenberger Kirchen hat Dr. Wendebourg auch die Fortschritte des Reformators Luthers zusammengefasst. Luthers vier reformatorische Prinzipien (solus christus, sola fide, sola gratia und sola scriptura) sind auch heute noch in der Stadtkirche und in der Schlosskirche in Wittenberg greifbar. Nicht zuletzt wird hierdurch auch nochmal deutlich, dass die Reformation im Jahr 1517 nicht nur der Ursprung von einer Neuordnung der Kirche war, sondern bis heute viele Errungenschaften, auch innerhalb der Politik, vor 500 Jahren ihren Weg genommen haben. Für Dr. Valentin Wendebourg ist das Reformationsjubiläum deshalb:

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Luther und sein Erbe: Lutherstadt Eisleben und Halle

Wer war Luther, der „Gottsuchende“?  Der Antwort konnten sich die Stipendiaten auch durch die Besichtigung seines Geburts- und Sterbehauses in Eisleben annähern. Für viele Pilger des Reformationsjubiläums ist Eisleben der Ort, an dem sie dem Reformator am nächsten sind, auch wenn die meisten Gegenstände des Hauses nicht aus Luthers Zeit stammen.

Ein Beispiel für das Fortleben der reformatorischen Gedanken in den Köpfen anderer großer Persönlichkeiten ist der Pietist August Hermann Francke. Mit einem Besuch der Franckesche Stiftung in Halle konnten sich die Seminarteilnehmer mit seinem Erbe vertraut machen. Dort stand auch ein Besuch der Ausstellung „Du bist frei. Reformation für Jugendliche“ an. Die Mitmachausstellung für Jugendliche hat Reformation unkonventionell betrachtet. Das Konzept bot den Seminarteilnehmern eine Diskussionsgrundlage für die Frage, was wohl der beste Weg sei, Jugendliche mit der Reformation vertraut zu machen.

Luther und die Menschen: Ideengeber und  Wegweiser

Auch wenn heute Luther die Identifikationsfigur schlechthin für das Reformationsjubliäum ist, so ist die Reformation doch vielmehr als nur „Martin Luther.“ Das ist auch die Botschaft der Ausstellung „Luther! 95 Schätze – 95 Menschen“ in Wittenberg. Ob Goethe, Mann oder Luther King, viele Menschen verbindet etwas mit dem Reformator aus Eisleben. Und dies ist neben Lobpreis auch oft Kritik.

Neben den Originalschauplätzen oder den Ausstellungsbesuchen boten auch Vorträge über den Zusammenhang von Religion und Wirtschaft, den Protestantismus in den deutschen Diktaturen, Luthers Liebe zur Musik oder die überkonfessionelle CDU und ihren Evangelischen Arbeitskreis den Seminarteilnehmern einen Einblick in das Leben und das Nachwirken Luthers. So stand am Ende der sehr intensiven Lutherwoche die Frage: Was bleibt von der Reformation?

Add subheLuthers Reformation war am Ende auch eine Reformation der deutschen Sprache, eine Reformation des Bibelverständnis, eine Revolution der Ehe, Glaubensmut eine neue Gewichtung de

Luther heute: Unser Fazit

Es war ein ganz besonderes Seminar, zu Beginn des Seminars erkannte Seminarleiter Rainer Täubrich bei uns Stipendiaten „Zahnräder, die sich in Bewegung setzen“ und entließ uns am Ende der Woche mit dem Wunsch: „Es wäre schön, wenn nun noch das ein oder andere Zahnrad dazu gekommen ist.“ Besonders schön war es, dass auch Dr. Susanna Schmidt, Leiterin der Hauptabteilung Begabtenförderung und Kultur, uns einen Tag in Wittenberg besucht hat, um an Diskussionen und Vorträgen teilzunehmen und sich selbst ein Bild von den Reformationsaktivitäten zu machen.

Dr. Susanna Schmidt

Uns rauchten ganz schön oft die Köpfe, aber trotzdem haben wir uns während des ganzen Seminars die Worte Margot Käßmanns zu Herzen genommen: „In der Kirche darf auch gelacht werden.“ Denn ein solches Seminar besteht nicht nur aus Inhalten, sondern vor allem aus den Teilnehmern. Jeder bringt seine eigene Geschichte, sein Wissen und seine Ideen mit. Und so ist ein Seminar auch immer wieder eine Möglichkeit für jeden einzelnen Stipendiaten, auf vielerlei Hinsicht seinen Horizont zu erweitern.

Ein paar Eindrücke des Seminars im bewegten Bild gibt es daher hier:

 

                                                           

Die Autoren: Johanna Gremme und Vanessa Verena Wahlig sind Stipendiatinnen der Journalistischen Nachwuchsförderung (JONA). Beide sind seit 2015 Stipendiatinnen der Adenauer-Stiftung. Johanna hat gerade ihren Bachelor in Deutsch-Italienischen Studien in Bonn/Florenz beendet und macht nun einen Master in Renaissance-Studien an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Vanessa hat ihren Bachelor an der Johannes-Gutenberg Universität Mainz in Politikwissenschaft und Italienischer Philologie gemacht und studiert nun Demokratie und Governance an der Justus-Liebig-Universität in Gießen.

Können Nachrichten ablaufen? – Italien sagt ja! Und Deutschland?

Ein unveröffentlichter Artikel, den ich bereits im September 2016 verfasst habe:

Haben Artikel ein Ablaufdatum? Kann man Nachrichten einfach aus Online-Portalen löschen lassen? Und ist das dann noch Pressefreiheit? Für genau diese Fragen will nun das höchste italienische Gericht Antworten gefunden haben.

Der Grad zwischen dem was von öffentlichem Interesse ist und dem was Menschen in ihren Persönlichkeitsrechten einengt ist ein geringer. Häufig stehen deshalb Medien in der Kritik zu ausführlich über Privatpersonen zu berichten. Im Fall eines Italieners aus den mittelitalienischen Abruzzen war dies ebenso. Der Restaurantbesitzer hatte gegen einen kritischen Artikel über ihn im Online-Magazin „PrimaDaNoi“ Klage erhoben. Nach zwei Jahren hielt der Italiener den Artikel nicht mehr für relevant und berief sich auf das „Recht auf Vergessen werden“. Das Gericht gab seiner Klage Recht und sah den Ruf des Restaurantbesitzers durch die „alte Berichterstattung“ für beschädigt an. Das Urteil wurde von allen gerichtlichen Instanzen bestätigt und der Betreiber von „Primadanoi.it“ musste eine Strafe von 5000 Euro als Entschädigung an den Restaurantbesitzer bezahlen und zudem den Artikel von seiner Seite löschen.

Ablaufdatum für Online-Artikel?

Das Recht darauf, Informationen zu verbreiten, habe also ein Ablaufdatum wie Milch oder Joghurt, fasste die italienische Wochenzeitschrift „L’Espresso“ das Urteil zusammen. Für besonders kritikwürdig sehen die Journalisten in Italien, dass dieses Haltbarkeitsdatum von Richtern festgelegt worden ist. Wie sie das genau gemacht haben? Eine gesetzliche Grundlage gibt es in Italien nicht. Die Begründung des obersten italienischen Gerichtes beruft sich auf die Logik, dass nach zwei Jahren, der Zeitraum zwischen der Veröffentlichung des ersten Artikels und der Bitte um Löschung durch den Kläger, das öffentliche Interesse befriedigt worden ist. Mit diesem Urteil haben die italienischen Richter ein Urteil aus 2014 des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) noch weiter ausgestaltet.

Der EuGH hatte in seinem Urteil den Begriff des „Rechts auf vergessen werden“ im Bereich des Internets näher formuliert. Das Urteil richtet sich an Suchmaschinen, die Links zu Internetseiten nach einem gewissen Zeitraum sperren sollen. So müssen seit dem Urteil Links zu Berichterstattungen über Privatpersonen auf Antrag dieser gelöscht werden. Die Artikel der Medien selbst jedoch, sind von dieser Löschung nicht betroffen. Hier herrscht das Medienprivileg und das Datenschutzrecht findet keine Anwendung.

Auch in Deutschland möglich?

Mit dem Weiterdreh des italienischen Gerichtes auf die Online-Medien hat es diesen ein Ablaufdatum bescheinigt. Das Urteil lässt besonders Medienschaffende aufhorchen. Denn die Reichweihweite des Urteils geht bis tief ins Mark der Demokratie. Mit einer solchen Regulierung wie durch das italienische Gericht aufgestellt, ist die Pressefreiheit in Gefahr, sagen die Kritiker des Urteils.

Aber wie sieht es in Deutschland aus? Ist ein solches Urteil auch hier denkbar? Momentan erst einmal nicht, meint der Berliner Anwalt in Medienrecht, Dr. Ansgar Koreng. Er bewertet den beim italienischen Urteil monierten Datenschutz im presserechtlichen Zusammenhang für eigentlich gut kompatibel und sieht das Urteil in Italien kritisch. „Jeder Artikel und Beitrag in Medien ist ein Abbild der Realität und ein Anspruch auf „Vergessen werden“, kann es deshalb auch nicht geben. Die Pressefreiheit ist in einer solchen Diskussion oben anzustellen“, sagt Koreng. Man müsse zwar die Artikel als Altmeldung kenntlich machen, sie können aber nicht durch den Ablauf einer gewissen Zeit illegal werden. „Natürlich darf Berichterstattung die Grenzen der Privatsphäre nicht überschreiten, dieses Kriterium muss aber dann sofort gelten und nicht erst nach zwei Jahren“, so Koreng, der klar die Meinung vertritt, dass es kein Ablaufdatum für Online-Artikel geben darf. „Ein Ablaufdatum für Artikel in Online-Medien ist ein klarer Angriff auf die Pressefreiheit“, sagt Koreng.

Trotzdem ist das italienische Urteil von der deutschen Rechtsprechung nicht so weit entfernt. So hat das Oberlandesgerichts Hamburg einen ähnlichen Fall 2014 behandelt. Ein Mann hatte gegen Artikel eines Online-Magazins geklagt, in denen er namentlich genannt wurde. Die Berichterstattung über ein Strafverfahren wünschte er löschen zu lassen. Dem entsprach das Gericht zwar nicht, dennoch forderte das Gericht den Verleger des Online-Magazins auf, die Artikel in seinem Archiv so anzupassen, dass der Kläger nicht mehr identifiziert werden könne. Auch dieses Urteil zog unter Medienanwälten und Medienschaffenden große Ablehnung mit sich, da der Name des Klägers eng mit dem Strafverfahren in Verbindung steht und es noch immer von großem Interesse war.

Dennoch im Vergleich muss erwähnt werden, dass sich dieses Urteil nur auf die namentliche Nennung einer Person bezieht und nicht auf Artikel an sich. In Deutschland wurden bis jetzt kaum ähnliche Urteile wie das des Hamburger Gerichts gesprochen.